schuld

Schuld erkundet die Typologie der Beichtstühle – ein weiteres Beispiel für die Faszination des Fotografen für die Vielfalt der Formen innerhalb konsistenter funktionaler Strukturen. Inspiriert von der scheinbar unendlichen phänotypischen Variation dieser sakralen Objekte, dokumentiert er die Beichtstühle in einer streng schwarz-weißen Darstellung. Diese einheitliche Serie fokussiert sich auf die architektonische Vielfalt der Beichtstühle, die trotz ihrer Unterschiede stets die gleiche Grundfunktion erfüllen: das intime Gespräch zwischen Priester und Pönitent.

Das Projekt reflektiert gleichzeitig ein gesellschaftlich umstrittenes Thema, indem es die Spannungen zwischen religiöser Praxis, Macht und persönlicher Verantwortung thematisiert. Das Projekt über Beichtstühle soll auch die Reflektion über die die komplexe und oft beunruhigende Geschichte des katholischen Sakraments der Beichte anregen. Diese Praxis war nicht nur ein Mittel der spirituellen Versöhnung, sondern auch ein Instrument der Macht, das die moralische und psychologische Kontrolle über die Gläubigen verstärkte.

Die Beichte beeinflusste das Denken über Sünde, Schuld und Erlösung und diente der Kirche dazu, ihre Autorität über das spirituelle Leben ihrer Anhänger auszuüben. Trotz ihrer heilenden Absicht führte sie oft zu einer Vertiefung von Scham und Schuld. Das Projekt Schuld wirft somit auch einen kritischen Blick auf die Machtmissbräuche und die psychologische Belastung, die mit dem Sakrament verbunden sind.